Am Kamel nach Folgaria
1800 km auf einer SWM TL320 Guanaco, Bj. 1978 in 8 Tagen

Es hätte mir zu denken geben müssen. Alle meine Freunde fanden die Projektidee super! Die meisten von ihnen waren schon mit Ihren Motorrädern auf diesem Berg. Aber auf die von mir erdachte Weise wollte mich niemand über das Stilfser Joch begleiten. Jener Straße, die mit einer Paßhöhe von 2757 m.ü.A. (Meter über Adria) der höchste asphaltierte Paßübergang Italiens und nach dem Col de I’Iseran zweithöchste Gebirgsübergang der Alpen ist. Dabei sind sowohl die Paßhöhe als auch das beeindruckende Panorama dieser Straße mit ihren anspruchsvollen Spitzkehren ein Magnet für viele Motorradfahrer. „Kauf dir doch eine kleine 400er Softenduro, damit geht das ganz locker!“ So und so ähnlich rieten es mir meine Freunde.
Oldstyle
Ich aber wollte die Reise mit einem Trialmotorrad, einer SWM 320 Guanaco, aus dem Jahr 1978 bestreiten. Ich liebe den Trialsport. Dabei geht es um das Bewältigen von Schwierigkeiten. Meine Begeisterung für das Klassik-Trial ist für mich die sportlich logische Fortführung des Trialgedankens. Beim Fahren mit historischen Motorrädern wird auf die Vorzüge der technischen Entwicklung der letzten Jahrzehnte verzichtet. Inspiriert von Erzählungen der österreichischen Trial-Pioniere reiste ich im Jahr davor zu allen sechs Veranstaltungen der österreichischen Klassik-Trial Serie A-Cup auf Achse meiner SWM Guanaco. Das heißt, ich bin direkt mit dem Bewerbsmotorrad, also auf eigener Achse angereist. Bis zu diesem Projekt hatte ich keine Erfahrung mit Motorrädern auf der Straße. Ich war und bin auch kein Schrauber. Die SWM kam frisch aus der Restauration und war ungetestet. Mit tatkräftiger Unterstützungen einiger Trialfreunden konnten alle aufgetretenen technische Probleme behoben werden und meine Selbsthilfefähigkeiten verbesserten sich. Am Ende des Vorjahres standen sechs absolvierte Zweitage-Trialveranstaltungen, 1800 Straßenkilometer inklusive Überquerung der Großklockner Hochalpenstraße auf dem Sitz eines historischen Trialmotorrades zu buche.

Die Route
Als Anlaß der Reise wählte ich das „2 giorni Trial Folgaria – Alpe Cimbra“. Eine Klassik-Trial-Veranstaltung, die ca. 45 Autominuten südlich von Bozen (Südtirol) liegt. Der Termin, Anfang September sollte sicher stellen, dass alle Paßstraßen schneefrei und befahrbar sein sollten. Ich begann eine Route zu überlegen. In acht Tagen wollte ich die „alten Wege durch die Dörfer“ nach Folgaria und zurück fahren. Eine Strecke von 1800 Kilometer war geplant, die einige Highlights beinhaltete.
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