Max Hengl

Ehrung: "ÖTSV Trial-Walther"
Im Rahmen der Jahressiegerehrung des ÖTSV (Österreichischer Trialsport Verband) überreichte Präsident Erich Diestinger am 8.11.2025 am Hochkar die Auszeichnung "Trial-Walther" an Max Hengl.
Der „Trial-Walther“ ist die Auszeichnung des ÖTSV (Österreichischer Trial Sport Verband) für Verdienste um den Trialsport.
Portrait Max Hengl:

Erste Versuche
Eine Puch DS 50 war das erste Moped von Max Hengl. Am Betriebsgelände seiner Eltern überquerte er damit erfolgreich Autowracks, während seine älteren zwei Brüder dabei scheiterten. Als HTL-Schüler schaffte er sich 1973 eine Bultaco Sherpa 325 an, weil sie ihm für den Geländebetrieb besser geeignet erschien. Die Eltern hatten wenig Freude über sein geländesportliches Motorsportinteresse, auch weil ihn die Bultaco mangels Trialgrundkenntnisse und mit voll aufgepumpten Reifen gleich beim ersten Versuch eine Treppe zu erklimmen, heftig abwarf. Aber auch weil die schöne Kleidung jener Freunde, die es auch einmal versuchen wollten, bald nicht mehr ganz so sauber war.

Kontakt zum Trialsport
Bei seiner ersten Trialveranstaltung muße er sich zuerst einmal vor Ort die Trialregeln erklären lassen. Dennoch feierte er seinen ersten und für weitere 30 Jahre auch seinen letzten Tagessieg bei einer Trialveranstaltung. Die herzliche Aufnahme und gegenseitige Unterstützung der Fahrer, unabhängig von der Leistungsklasse, begeisterten ihn für diesen Sport.

Freunde im Trialsport
Walter Wolf und Walther Luft nahmen den Neuling gleich unter deren strenger Fittiche. Nach nur vier Bewerben wechselte Max Hengl von der „Anfänger-“ im Jahr 1974 in die „Experten-Klasse“, inklusive Teilnahmen an Weltmeisterschaftsläufen. Für die gemeinsamen Trainings mit dem ehemaligen Staatsmeister Gottfried Engstler wurde Velden zum Sommerdomizil. Als „härteste Schule, die man sich vorstellen kann“ oder als „hart, aber herzlich“ bezeichnete Max später seine gemeinsame Zeit bei Hedi und Joe Wallmann, die ihn interemistisch nahezu adoptierten.

Trialreisender
Platz 16 und die Auszeichnung „best foreign rider not in the main awards“ beim Superstar-Trial 1977, inmitten der damaligen Weltelite oder Platz 64 („third best newcomer“) beim Scottish Six Days Trial 1978 waren seine sportlichen Highlights. Im Jahr 1978 begleitete er Joe Wallmann als unterstützender Fahrer zu Veranstaltungen von Irland bis Südfrankreich. An ca. 20 Wochenenden wurden rund 40.000 km mit einem Ford Granada abgespult, mit einer Bultaco im Kofferaum und einer weiteren an einem Motorradhalter an der Anhängekupplung geladen.
Video: Superstar-Trial 1977:

Praktikant beim Meister
Unmittelbar nach Absolvierung der HTL für Maschinenbau und des Dienstes beim Bundesheer arbeitetet er im Jahr 1977 als Jung-Ingenieur bei KTM, Mattinghofen an der Seite von Walther Luft an der Entwicklung der Trial-Prototypen. Heute noch vorhandene Prototypen wurden teilweise von Max Hengl gebaut. Das Engagement bei KTM endete nach dreizehn Monaten wegen werksseitiger Beendigung des Projekts.
Die Folgen eines Motorradunfall im Herbst 1980 veranlassten Max Hengl seine aktive Trialkarriere zu beenden. Mit seinen Freunden aus dem Triallager blieb er aber weiterhin in laufendem Kontakt.

Mut zu Neuem
Parallel zu seinen sonstigen Aktivitäten war Max Hengl auch als innovativer und mutiger Trial-Veranstalter aktiv. Nur sechs Monate nach Erhalt seines ersten Trialmotorrades im Jahr 1973 bewies er erstmals sein Talent als Organisator einer eigenen Veranstaltung in Limberg mit kreativem Rahmenprogramm, z.B. einem „Fußgängertrial“.
Als Veranstalter des „Trial der Nationen“ in Limberg holte er im Jahr 1986 die Weltelite nach Österreich.
Beim einzigartigen „Days of Trials“ im Jahr 2013 führte er als Co-Veranstalter unterschiedliche Trialdisziplinen im Rahmen eines Volksfests zusammen: Europa-Trucktrial, Auto-Trial Staatsmeisterschaft, Modellauto Trial Meisterschaft, Klassik-Trial A-Cup sowie Landrover Testtage.
Innovativen Mut bewies er auch bei der Veranstaltung eines „Free-Trial“-Bewerbs, in dem man Punkte für erfolgreich passierte Hindernisse sammeln konnte. Ein gut beschriebenes A4-Blatt pro Sektion und Teilnehmer sowie Regen während der Veranstaltung erforderten eine Meisterleistung der Administration!
Video: "Days of Trial" Limberg, 2013:

Alte Liebe rostet nicht
Zum 50. Geburtstag wurde Max Hengl im Jahr 2005 von seinen Trialfreunden zum Klassik-Trial Euro-Cup in Ebenau (Salzburg) eingeladen. Eine Bultaco 325 aus dem Bestand des Trialmuseum Ohlsdorf stellte ihm Hartwig Kamarad zur Verfügung. Lediglich Helm, Stiefel und gute Laune sollte Max Hengl mitbringen. Dieses Treffen mit alten Bekannten weckte wieder die Freude am Trial. So startete er seine zweite Trialfahrer-Karriere im Klassik-Trial wo er auch einige Siege einfahren konnte.

Teamchef Papa
Als Teamchef führte Max Hengl seinen Sohn Berni Hengl von dessen ersten Metern auf einem Motorrad im Trialgarten Ohlsdorf zur ersten Trialveranstaltung im Jahr 2012 im Klassik-Trial A-Cup. Bereits im Jahr 2014 gewann Berni Hengl im Klassik-Trial A-Cup die Jahreswertung in der Klasse Twinshock, gelbe Spur und in der AMF Jugendstaatsmeisterschaft den 2. Platz. Im Jahr 2016 gewann Berni Hengl die blaue Spur im ÖTSV-Cup und bestritt einige Läufe der Europameisterschaft gemeinsam mit Philip Döller.

Förderer
Max Hengl ist unter anderem Sammler von Videos, Fotos und Ergebnislisten und fand während der Unterstützung seines Sohnes auch die Zeit zu fotografieren. Es entstanden rund 14.000 Fotos, die gesichtet, bearbeitet und Alf Koch für dessen Internetauftritt www.trials.at zum freien Download zur Verfügung gestellt wurden. Als Veranstalter brachte er seine Erfahrungen aktiv im ÖTSV (Österreichischer Trialsport Verband) ein und war auch einige Jahre als Rechnungsprüfer im ÖTSV-Vorstand und auch als Sponsor aktiv.
Kreativer Gestalter
Erster Prototyp des "Trial-Walther" mit dazugehörigem Inspirationsfoto von Alf Koch.
Im Jahr 2024 entwarf Max Hengl die Statuette des „Trial-Walther“ im Auftrag des ÖTSV.
Jene Auszeichnung, der er am 8.11.2025 im Rahmen der festlichen Jahressiegerehrung des ÖTSV nun selbst für sein Lebenswerk für den Trialsport vom ÖTSV-Präsident Erich Diestinger entgegen nehmen durfte.
Linktipps:
Text: Alfred (28.11.2025)
Fotos: Erich Diestinger, Alf Koch, Hengl Archiv, Friedl Kaltenegger
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