Ulrich (Ulli) Leitner - BLM Zweiradhandelslegende

Ehrung: "ÖTSV Trial-Walther"
Im Rahmen der Jahressiegerehrung des ÖTSV (Österreichischer Trialsport Verband) überreichte Präsident Erich Diestinger am 8.11.2025 am Hochkar die Auszeichnung "Trial-Walther" an Urich Leitner.
Der „Trial-Walther“ ist die Auszeichnung des ÖTSV (Österreichischer Trial Sport Verband) für Verdienste um den Trialsport.
Portrait Ulli Leitner:
Das Wirken von Ulli Leitner als Motorradimporteur und -Händler reicht weit über den Trialsport hinaus! Seine Geschichte ist ein Beispiel dafür, wie man sich
mehrfach neu erfinden muß und dabei sehr erfolgreich bleiben kann.

Frühes technisches Interesse
Ulrich Leitner kam als jüngster von vier Söhnen im Jahr 1945 zur Welt. Das Interesse für Technik wurde bei Ulli schon sehr früh geweckt. Während der Vater im Wald arbeitete, reparierten die älteren Brüder Horst, Hans und Georg zu Hause bereits als Jugendliche die landwirtschaftlichen Maschinen zu Hause. Eine DKW, die der Onkel aus der Salza (Fluß in der Obersteiermark) barg und restaurierte, steht heute noch in der Garage von Ulli.

Als Kind beim ersten Trial
Im Alter von 13 Jahren kaufte sich Ulli ein Eigenbaumoped von einem Holzknecht um 50,- Schilling. Damit startete er bei seinem ersten Trial am Feliferhof in Graz. Leider war er wenig erfolgreich, da der Rahmen des Mopeds brach. Als Jugendlicher nahm er mit seinen Brüdern an unzähligen Veranstaltungen der unterschiedlichsten Motorradgattungen teil: Geländesport,Trial, Motocross, Bergrennen, Slalom usw. Mittlerweile hatten seine Eltern den Hubertushof mit Hotel- und Gastwirtschaftsbetrieb in Aflenz übernommen. Ein Schilift befand sich in unmittelbarer Nähe. Anders gesagt waren das die perfekten Voraussetzungen für Ulli um seine Fahrtechnik auf Schnee mit Motorrädern zu perfektionieren.

Unternehmerisches Talent
Die Mutter von Ulli war leidenschaftliche Hobbyfotografin. Für Hausgäste organisierte sie Fotoabende, in denen sie die landschaftlichen Schönheiten über die vier Jahreszeiten hinweg rund um Aflenz zeigte und bei dieser Gelegenheit erfolgreich neue Buchungen auch für die Nebensaison notieren durfte. Es war kreatives Marketing um die Saison zu verlängern, als die Mutter den Begriff „Marketing“ noch gar nicht kannte. Der Fotoleidenschaft der Mutter folgend erlernte Ulli Leitner den Beruf des Fotografen.

Es begann als Hobby
Bei Ulli war das Interesse für Technik größer als für die Fotografie. Gemeinsam mit Bruder Horst stieg er in den Autohandel ein, die beiden machten sich in kurzer Zeit selbständig und gründeten Zweigniederlassungen. Ursprünglich für den persönlichen Bedarf begannen die Leitner Brüder mit dem Import von Moto Cross Rickman-Fahrwerken aus England. Über den Umweg über Rickman in England wurde der Kontakt zu Bultaco in Spanien aufgebaut. Im Jahr 1963 begann Uli
Leitner gemeinsam mit seinem Bruder Horst den Import der Marke Bultaco.

Unendlich viele Anekdoten
Mit einem Schmunzeln erzählt Uli:
„Peter Hirsch (1939-2021) kam regelmäßig mit einer Puch zu mir. Peter war damals Testfahrer für die Puch Entwicklungsabteilung in Graz. Dann schnappte ich mir
meine Bultaco Metralla und wir verglichen die Motorräder in den umliegenden Bergstraßen. Häufig verabschiedete sich Peter von mir mit dem Satz: „Da müssen wir noch etwas verbessern...“

1973 Streit - Liebe - BLM
Im Jahr 1973 stieg Ulli Leitner aus dem erfolgreich aufgebauten Unternehmen mit seinem Bruder Horst wegen inhaltlicher Differenzen aus. Kurz zuvor heiratete er Edith, mit der er nunmehr seit über 50 Jahren verheiratet ist. Ohne Job und ohne Geld bezogen die jungen Brautleute ein Mobile-Home, das im
Hotelbereich der Eltern errichtet wurde. Gemeinsam mit Edith und seinen Brüdern Hans und Georg gründete er die Firma „BLM – Brüder Leitner Motorräder“ und
begann mit dem dem Import der spanischen Marke Ossa. Als „Geschäftslokal“ diente anfangs die Hotelgarage der Eltern in Aflenz. Rasch stellten sich gute Verkaufszahlen ein, weshalb Ossa den alleinigen Import für Österreich an BLM übertrug. Im entspannten Gespräch meint Ulli Leitner rückblickend „… die Zusammenarbeit mit Ossa war für mich eine sehr schöne Zeit...“

aus der Liebe zum Motorradfahren
Ulli Leitner war nie der Manager am Schreibtisch. Er war und ist noch immer begeisteter Motorradfahrer. Er verkaufte aus der Begeisterung am eigenen Tun.
Früh festige sich seine Überzeugung: „Trial ist die Grundlage jeglichen Motorradfahrens“. Er war Pionier bei der Organisation von Trialtrainings. Seine Kunden wurden auf die „Jagawiesen“, dem firmeneigenen Offroad-Trainingsgelände zu Probefahrten auf ihnen meist unbekannten Trialmotorrädern eingeladen. Als erster organiserte er Fahrsicherheitstrainings für Fahrschullehrer.
Die großen Verkehrsclubs aus Deutschland und Österreich hatte solche Kurse noch nicht im Angebot und schickten Abgesandte um zu sehen, wie so etwas durchgeführt werden könnte.
Bei der Trial-Veranstaltung zum Wintercup in Mannersdorf konnte Ulli Leitner sein Wissen und Können auf Schnee und Eis voll ausspielen und einen achtbaren Erfolg gegen die damaligen österreichischen Trialkapazunder einfahren.

BLM und Fantic
Unter der technischen Leitung von Bruder Hans Leitner war man es bei BLM lange Zeit gewohnt, dass man Motorräder vom Werk zuerst kontrollieren und diverse Schrauben nachziehen musste, bevor sie an Kunden ausgehändigt werden konnten. Mit dem Import der italienischen Marke Fantic änderte sich das schlagartig. Heute noch begeistert, erzählt Ulli Leitner von seinen Werksbesuchen in Barzago, in der Nähe des Comer Sees. Statt auf Förderbändern liegend, liefen die Montageteile hängend durch die Montagestraße. Das erleichterte den Monteuren die Arbeiten und sicherte hohe Qualität. Hochmoderne Elektrophorese Lackierung mit Wasservorhängen ermöglichten beste Ergebnisse in der Lackiererei. Die Böden der Montagehallen waren derart sauber, dass man davon hätte essen können. Bei Fantic mußte nichts mehr nachträglich geprüft oder nachgezogen werden, diese Motorräder konnten direkt aus der Transportkiste heraus an Kunden problemlos übergeben werden. Aufgrund der Umtriebigkeit von BLM zählte das kleine Österreich zu den größten Absatzmärkten des italienischen Herstellers. Es war
auch der Druck von Ulli Leitner, der zur Entwicklung des erfolgreichen Fantic 50ccm Trial
Modells führte. BLM begann mit dem Import unzähliger weiterer italienischer
Marken.

Unterstützer des lizenzfreien Motorsports
Seit Beginn seiner Aktivitäten organisierte Ulli Leitner auch Motorradveranstaltungen, von Motocross bis zu Trials. Sowohl als passionierter Motorradfahrer als auch als Händler erkannte er, dass Veranstaltungen mit
niederschwelligem Zugang wichtig für alle Beteiligten sind. Für unsinnige Regelungen hat Ulli Leitner wenig Verständnis. Noch heute geht ihm „das Geimpfte“ hoch, wenn er davon erzählt, wie ihm ein technischer Kommissär den Start verweigern wollte, wegen eines handelsüblichen Lenkers, der jedoch um 1 cm breiter war, als ein Reglement dies festhielt. In den 1980er Jahren gab es im Motorsport Bestrebungen lizenzfreie Veranstaltungen als illegal zu bezeichnen und manche Veranstalter von lizenzfreien Veranstaltungen wurden mit Klagsdrohungen
unter Druck gesetzt. Ein damals junger Rechtsanwalt aus Wien gewann im Auftrag
vom Ducati Club Austria mit der Unterstützung von Ulli Leitner vor Gericht. Der
heute als Staranwalt bekannte Dr. Manfred Ainedter stellte damals Rechtssicherheit für lizenzfreie Veranstaltungen her. Ulli Leitner gründete mit dem BLM Hausnotar Dr. Hermann Ehweiner und mit Ludwig Steiger die OGT (Organisation Genehmigungsfreier Trials). Inhaltlich abweichende Gestaltungsideen führten dazu, dass Helene Beisteiner und Rudolf Beisteiner die Leitung der OGT übernahmen und Ludwig Steiger die BTTA- Veranstaltungsreihe gründete. Aus den Strukturen der OGT, später auf OLT (Organisaton lizenzfreie Trials) unbenannt, entwickelte in weiterer Folge der ÖTSV (Österreichische Trialsport Verband). Ulli Leitner war aus historischer Sicht ein bedeutender Weichensteller der heute etablierten Trial-Veranstalter-Strukturen in Österreich.

Premium-Marken bei BLM
Im Jahr 1984 wurde im Werk von Ossa das letzte Mal das Werkstor geschlossen.
Fantic stand im gleichen Jahr kurz vor der Insolvenz, die Verwendung von billigeren Komponenten führte zu häufigeren
Qualitätsproblemen.
1986 wurde Montesa von Honda übernommen und die etablierte Importstruktur aufgelöst.
BLM brachen Hersteller weg, die zuvor äußerst erfolgreich im Markt aufgebaut wurden.
Ulli Leitner leitete eine Kurswende ein und setzte alle Energie in eine junge spanische
Marke: GAS GAS. In kurzer Zeit entwickelte BLM das kleine Österreich zum
zweitgrößten Absatzmarkt (nach Spanien) für diese Marke. Mit den Marken BMW
und den Import von Ducati und Cagiva wurde auch Premium-Marken erfolgreich unter
dem Dach von BLM verkauft.

Konventionsbrecher
Unkonventionelle Ideen waren von früh an die Quelle des Erfolgs für BLM. In den 1960er und 1970er Jahren galten Motorradfahrer häufig noch als wilde Horde.
Schmutzige Kleidung aufgrund der teils unbefestigten und schlechte Straßen und ölverschmierte Hände vom Schrauben waren sinnbildlich. Häufig waren solche Gäste in Gastwirtschaften oder bei Quartiergebern ungern gesehen. Gegen den anfänglichen Widerstand seiner Mutter, etablierte Ulli Leitner den Hubertushof in Aflenz zu einem Motorradhotel. Wegen der geführten Motorradtouren im Umland gab es anfangs Proteste der Einheimischen. Diese endeten, als der Ort von diesen neuen Gästen zu profitieren begann. In diesen Jahren war die Motorradszene männlich dominiert. Motorradclubs waren zum Teil militärisch hierarchisch strukturiert und muten aus heutiger Sicht fast als religiös motivierte Rückzugsorte einer verschrobenen Männlichkeit an. Und in genau diesem Umfeld leitete Edith Leitner bei BLM ausgebuchte Fahrsicherheitstrainings bzw. Trialtrainings. Um den Verkauf von 50
ccm – Rollern zu fördern wurde für Händler ein Moped-Wochenende in Sardinien
organisiert. Die Händler mußte dafür einen Roller als Vorführ-Modell kaufen, den
Transport nach Sardinen und alles weitere organisierte BLM. Händler, die diesen
Event anfänglich als „Zwangsvergatterung“ empfanden, buchten zum Abschluss
des Ausflugs schon für die nächste Veranstaltung im Voraus und reisten bei der nächsten Tour bereits mit gepimpten 50 ccm Rollern an.

Andere Zeiten, andere Probleme!
Energisch widerspricht Ulli Leitner, wenn ihm vorgehalten wird, dass der Markt heute viel komplexer sei, und früher vieles wesentlich einfacher gewesen sei!“ „Das ist vollkommener Unsinn! Auch wir hatten täglich mit Schwierigkeiten zu kämpfen und Probleme zu lösen.“ Unvergesslich wird mir der melancholische Tonfall bleiben, mit dem Edith Leitner anfügte: „Mein Gott, was haben wir schon Geld verloren!“.

Ein Leben für den Motorradsport!
Über diese bewegte Geschichte eines Unternehmerehepaars steht ein Leben der Leidenschaft für das Motorradfahren. Auch mit über achtzig Jahren ist er auf der Straße noch immer auf zwei Rädern unterwegs. Auf den Offroad-Bereich verzichtet er mittlerweile aufgrund gesundheitlicher Probleme. Die Familie ist für ihn das größte Glück. Das Treffen von alten Freunden und das Beisammensein mit Motorradfreunden sind ihm noch immer eine große Freude. Und seine Frau Edith, deren Respekt und Liebe endlos erscheint.
Mediazone:
Fotoshow aus Archiv Ulrich Leitner:
Text: Alfred, Jänner 2026
Fotos: Privatarchiv Ulrich Leitner, Isabella Hengl
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classic trial



































